Wir standen am 17.04.2026 im REMSCHEIDER GERERAL-ANZEIGER
Ein schöner Artikel über unsere Falknerei Bergisch Land
Adlerblick über das Bergische Land:
Hinter den Kulissen der Falknerei
Wüstenbussard Rexi bei der Freien Folge durch den Wald. 35 Vögel plus Nachwuchs leben in der Falknerei Bergisch Land.
Zum Arbeitsalltag von Falkner Tom Melcher gehört vor allem eins: viel Training mit den Greifvögeln.
Wie die beiden Adler Grobi und Alaska die Lüfte über Remscheid unsicher machen, wie bedeutsam die Bindung zwischen Mensch und Tier ist und wie eine kleine Gans für große Verunsicherung sorgen kann.
Von Alexandra Dulinski
In der Luft fühlt er sich zu Hause. Wenn er fliegen will, dann fliegt er. Zurückkommen wird er spätestens zum Abendessen: Die Rede ist von Grobi, Riesenseeadler und Star der Falknerei Bergisch Land. Jeden Tag gibt es hier für die drei Falkner und Inhaberin Carola Schossow allerhand zu tun. Der RGA hat ihnen dabei über die Schulter geblickt.
Das Territorium aus der Luft betrachten.
Mit Riesenseeadler Grobi, der sich vor wenigen Jahren einmal bis nach Ungarn verirrte, und Weißkopfseeadler Alaska ziehen Falkner Tom Melcher und Christian Grundke in Richtung Feld.
Ein Training der Tiere muss so oft wie möglich stattfinden. „Die Tiere müssen fliegen, damit sie nicht krank werden“, erklärt Carola Schossow. Sowohl körperlich als auch mental sollen sie gesund sein. Nur bei starkem Regen und Sturm bleiben die Vögel am Boden. Zu groß ist die Gefahr für die Tiere. Sie könnten sich verirren – wie es damals bei Grobi geschehen ist.
Ein Tag Ruhe ab und an schadet ihnen aber nicht. „Fliegen ist Kraftsport“, weiß Tom Melcher (24). Der sei zwar gut für die Gesundheit, aber auch Adler können Muskelkater bekommen.
An diesem sonnigen Tag ist das Flugwetter perfekt, die Thermik stimmt. Grobi und Alaska scharren schon mit den Flügeln. Es ist klar: Sie wollen los und ihr Territorium von oben betrachten. „Die müssen noch ein bisschen Geduld lernen“, sagt Tom Melcher lachend. „Ab!“, ruft Melcher. Das Zeichen für Grobi, dass er starten darf. Er schwingt sich in die Lüfte – und ist bald nur noch ein kleiner Punkt am Himmel.
Alaska hat weniger Glück. Eine Gans hat sie entdeckt und greift sie an. „Es ist oft so, dass der Kleinere den Größeren angreift, zum Beispiel wenn die Vögel brüten“, weiß Melcher. Das sei typisch für die Jahreszeit. Denn die Gänse wissen nicht, ob die Vögel der Falknerei ihrem Nachwuchs gefährlich werden können. Grobi und Alaska könnten aber nicht weniger Interesse an ihnen zeigen: „Unsere Tiere sind gesättigt, sie haben kein Interesse an Jagd.“
Und während Grobi sich davon nicht beeindrucken lässt, steuert Alaska wieder ihren Falkner an. So ganz geheuer scheint ihr die Gans nicht zu sein. Genug geflogen für heute, die Motivation ist hin.
Zum Abendessen ist er wieder da.
Wann Grobi zurückkehrt? „Spätestens zum Abendessen“, ist sich der Falkner sicher. Wo sich der Adler aufhält, weiß er aber meistens recht genau. Er weiß, an welchen Strommasten Grobi gerne sitzt, um sein Territorium zu überblicken, und entdeckt ihn von weiter Ferne. „Man entwickelt dafür eine Schärfe im Auge“, sagt er. Der Falkner mit den Adleraugen, sozusagen. Wiederkommen müssen die Vögel aber von allein. Sonst gewöhnen sie sich daran, abgeholt zu werden.
Keine Schwäche anmerken lassen.
Während Grobi seine Kreise zieht, bereitet Tom Melcher das Futter für die Gänsegeier zu. Die Essensplanung gehört ebenso zu seinem Alltag wie die Reinigung der Volieren und die Kontrolle, ob es allen Vögeln gut geht.
35 Vögel plus Nachwuchs leben hier in der Falknerei Bergisch Land – Adler, Eulen, Bussarde, Geier, Milane. Wird Tom Melcher von einem der Tiere am Morgen ignoriert, könnte das bedeuten, dass etwas nicht stimmt. „Wildtiere wollen nicht zeigen, wenn es ihnen nicht gut geht“, erklärt er. In der freien Wildbahn kann sie das sonst zu leichter Beute machen. Also werden die Tiere regelmäßig gewogen. Denn das Gewicht ist ein Indiz für eine Erkrankung.
Ein Stück Kaninchen landet in der Voliere der Gänsegeier. Sie haben vor kurzem Nachwuchs bekommen, das Junge muss noch groß und stark werden. Kurz entbrennt ein Streit zwischen Männchen und Weibchen, wer zuerst fressen darf. Das Weibchen siegt – es hat gerade das Sagen und pickt sich die besten Stücke aus dem Kaninchen heraus. „Ein großer Greifvogel frisst rund vier Prozent seines Eigengewichts“, sagt der Falkner. Ratten, Wachteln, Enten, Tauben und Hühner stehen beispielsweise auf dem Speiseplan. Aber auch mal Rehe oder Wildschweine. Dafür arbeitet die Falknerei mit Jägern zusammen. Wird ein Wildtier überfahren, kann es in der Falknerei noch verwertet werden.
Training darf nicht fehlen
Ein regelmäßiges Training darf den Vögeln in der Falknerei nicht fehlen – nicht nur für die regelmäßig stattfindende Flugshow. Zunächst müssen junge Tiere an den Falknerhandschuh gewöhnt werden. „Abtragen“ nennt sich das. „Sie müssen lernen, dass der Handschuh nichts Böses ist und Teil der Heimat ist, damit der Vogel mit Liebe und vor allem Vertrauen zurückkommt“, sagt Melcher. Denn ohne Vertrauen geht hier nichts.
So auch bei Wüstenbussard Rexi. Mit ihr trainiert Tom Melcher die „Freifolge“ im Wald. Rexi fliegt frei hinter dem Falkner her und wird immer wieder mit Futter auf die Faust zurückgerufen. Was eigentlich eine Jagdmethode ist, hat hier einen positiven Nutzen: Bewegung – „für die körperliche Gesundheit“, erklärt Melcher.
Vertrauen ist das Wichtigste
Jeder Greifvogel in der Falknerei hat seinen eigenen Charakter. „Jeder hat seinen eigenen Kopf und jeder Vogel weiß, was er will“, erzählt Tom Melcher. Diese Unabhängigkeit bewundert er. Und wenn einer mal keine Lust auf die Flugshow hat, muss er auch nicht fliegen.
Jeder Vogel hat seinen Lieblingsfalkner
Und so wie jeder Vogel seinen Lieblingsast im Baum hat, habe auch jeder seinen Lieblingsfalkner. „Das ist eine richtig starke Bindung, die entstehen kann“, weiß Tom Melcher. So sehr, dass der Vogel auch seine Heimat und seinen Falkner verteidigen würde. Ein wenig sei das vergleichbar mit einem Hund.
Und doch ist am Ende eines klar: „Greifvögel sind niemals Haustiere“, sagt Christian Grundke. Sie lassen sich nicht streicheln – und zeigen ihre Grenzen.
Wenn ein Vogel süchtig nach Fisch ist
So auch Grobi, der gar nicht begeistert ist, dass Tom Melcher nicht noch ein Stückchen mehr Fisch für ihn hat. Denn später am Nachmittag holt ihn der Falkner wieder aus den Lüften zurück.
Ein Pfiff ertönt, er klopft sich auf seinen Handschuh, in dem ein Stück Fisch liegt. Er weiß, dass Grobi zu Lachsforelle nicht Nein sagen kann. Grobi selbst weiß das wohl auch: „Er weiß, wonach er süchtig ist“, sagt Tom Melcher lachend.
Majestätisch landet er auf seinem Handschuh, ganz auf die Forelle fokussiert – und muss nach dem Futterrausch erst einmal wieder herunterkommen.
Flugshows:In den Flugshows der Falknerei können Besucher die Flugkünste der Greifvögel bestaunen. Geöffnet ist dienstags bis samstags um 14.30 Uhr, die Flugshow beginnt jeweils um 15 Uhr. An Sonn- und Feiertagen ist um 10.30 Uhr und um 14.30 Uhr geöffnet. Die Flugshow beginnt um 11 und um 15 Uhr.
„Das ist eine richtig starke Bindung, die entstehen kann.“
Tom Melcher, Falkner






